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VKS 3.0: Der Klassiker der Brückenmessung im Detail
Das Verkehrs-Kontroll-System (VKS) 3.0 der Firma Vidit Systems GmbH gehört zu den am weitesten verbreiteten Verfahren zur Abstands- und Geschwindigkeitsüberwachung auf deutschen Autobahnen. Doch das System hat eine bewegte rechtliche Geschichte und technische Eigenheiten, die es für die Verteidigung interessant machen.
Hier erfahren Sie, wie das VKS 3.0 heute arbeitet, warum es das "Select-Modul" gibt und welche Prüfschritte die Software nicht automatisch übernimmt.
1. Einleitung: Vom BVerfG-Urteil zum "Select-Modul"
Das VKS 3.0 ist ein geeichtes, video-basiertes Messsystem, das als „standardisiertes Messverfahren“ gilt. Bekannt wurde es jedoch vor allem durch einen juristischen Paukenschlag im Jahr 2009.
Das "Stopp" durch das Bundesverfassungsgericht
Ursprünglich zeichnete VKS 3.0 den Verkehr dauerhaft auf ("Verdachtsunabhängige Videografie"). Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) erklärte diese Praxis mit Beschluss vom 11.08.2009 (Az. 2 BvR 941/08) für verfassungswidrig, da sie massenhaft Daten unbescholtener Bürger erfasste. Die Folge: Zahlreiche Bußgeldverfahren mussten eingestellt werden.
Die Lösung: Das Select-Modul
Als Reaktion rüstete der Hersteller nach. Heute wird VKS 3.0 fast ausschließlich mit dem sogenannten „Select-Modul“ betrieben.
- Das Prinzip: Das System beobachtet den Verkehr, zeichnet aber nicht dauerhaft auf. Eine Software nimmt eine "Vorselektion" vor.
- Der "Tat"-Moment: Nur wenn das System einen konkreten Anfangsverdacht (z. B. zu geringer Abstand) erkennt, wird die Identifizierungskamera ausgelöst. Diese fertigt dann gezielt acht Einzelbilder zur Fahrer- und Kennzeichenidentifikation.
Varianten:
- VKS 3.0 (Mobil): Die häufigste Variante (PTB-Zulassung 18.19/01.02).
- VKS 3.01 (Stationär): Fest verbaut an Schilderträgern (PTB-Zulassung 18.19/04.01). Technisch sind Hard- und Software heute weitgehend baugleich.
2. Heutige Funktionsweise und "blinde Flecken"
Technisch basiert die Messung auf einer Weg-Zeit-Berechnung. Auf der Fahrbahn werden Messlinien oder Passpunkte markiert. Das System misst die Zeit, die ein Fahrzeug benötigt, um diese definierte Strecke zu durchfahren. Die Auswertung erfolgt meist mit der Softwareversion 3.2 3D.
Wie die Messung abläuft
Eine Übersichtskamera (Tatvideo) erfasst den Verkehrsfluss von einer Brücke. Die Software wertet die Videobilder aus, bestimmt die Positionen der Fahrzeuge zu den Markierungen und errechnet daraus Geschwindigkeit und Abstand.
Kritisch: Was die Software NICHT prüft (Checkliste)
Anders als moderne Nachfolgesysteme verlässt sich die VKS 3.0-Software an vielen Stellen auf die korrekte Bedienung durch den Menschen. Ein technischer Sachverständiger muss oft prüfen, was das Gerät selbst nicht überwacht. Laut Fachinformationen werden folgende Aspekte von der VKS-Software nicht automatisch geprüft:
- Integrität des Datenträgers: Ob das DV-Band (bei älteren Systemen) oder die Datei manipuliert wurde.
- Kalibrierung: Ob die Messörtlichkeit (Kameraposition zur Fahrbahn) korrekt eingemessen ist.
- Messlinien: Ob die virtuellen Linien im Video exakt mit den Markierungen auf der Straße übereinstimmen.
- Fahrverhalten: Ob das Fahrzeug während der Messung stark beschleunigt oder verzögert hat (was den Abstandsverstoß verfälschen könnte).
- Zuordnung: Ob das Kennzeichen im Identifikationsbild zweifelsfrei zum gemessenen Fahrzeug im Tatvideo gehört.
Fazit für Betroffene
Da VKS 3.0 viele Prüfschritte dem Auswertepersonal überlässt, ist das Potenzial für menschliche Fehler höher als bei vollautomatisierten Laserscannern. Eine Überprüfung der Rohmessdaten (Videoaufzeichnung, Kalibrierungsdaten) durch einen Anwalt oder Gutachter ist hier oft der einzige Weg, um Fehlzuordnungen oder Messfehler aufzudecken.
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